Heute feiern wir den Tag der Deutschen Einheit, unseren Nationalfeiertag. Nur leider feiern wir ihn nicht alle so ausgelassen, wie die Amerikaner den 4. Juli oder die Franzosen den 14. Juli. Das ist eigentlich schade, aber vielleicht brauchen wir auch noch ein paar Jahre, um wirklich zu begreifen, was da passiert ist. Oder es liegt an der unterschiedlichen Mentalität, aber darum gehts mir auch heute nicht.
Wenn man mich heute fragt, was ich am 9. November 1989 gemacht habe, dann kann ich auch nur sagen: Ich weiß es nicht. Ich war 5! Ich meine mich daran erinnern zu können, dass meine Eltern vor dem Fernseher gesessen haben und ich kann mich auch an den späteren Auftritt von David Hasselhoff erinnern. Aber natürlich war mir die Tragweite des Ereignisses in diesem Moment nicht bewusst. Man möge es mir verzeihen.
Mittlerweile ist es also fast 20 Jahre her, dass Deutschland zu einer Einheit wurde und mittlerweile weiß ich auch, was das bedeutet. Deutschland gehört zusammen und am 9. November endete mit der DDR eine menschenfeindliche Diktatur.
Meine Omma musste das am eigenen Leib erfahren und schildert mir heute noch ihre Erlebnisse von damals.
Da Dortmund in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs beinahe dem Erdboden gleich gemacht wurde, flüchtete meine Omma nach Zwickau zur Verwandtschaft. Dort wurde sie aus Mangel an Lehrkräften in den Schuldienst berufen. Dort lernte sie auch meinen Opa kennen. Sie ging später mit ihrem Mann nach Berlin, in den Ostteil natürlich.
Der Mann meiner Omma, mein Opa, aber mir leider nicht bekannt, hatte sich in der DDR einiges zu schulden kommen lassen und „machte“ irgendwann rüber. Seine Frau, ließ er vorerst zurück mit zwei kleinen Mädchen. In dieser Zeit, alleine im Osten, wurde sie verhört und ihr Unterricht verwanzt. Es muss schrecklich gewesen sein. Sie hatte Angst um ihre Kinder und ihre Zukunft. Schließlich entschloss sie sich auch zur Flucht. Mit meiner Mutter im Kinderwagen und meiner Tante an der Hand nahm sie die Bahn nach Westberlin, denn die Mauer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebaut. Viele Erinnerungen und Fotos musste sie zurücklassen, aber ihre Freiheit hatte sie gewonnen. Sie machte sich mit dem Flugzeug, trotz großer Angst, wieder zurück auf den Weg nach Dortmund, um dort in beengten Verhältnissen mit einem anderen Teil der Verwandtschaft zusammen zu leben.
Ich kann und will mir nicht vorstellen, was es heißt von der einen in die andere Diktatur zu gelangen. Das muss der reinste Horror gewesen sein.
So skurril meine Omma auch ist und so oft sie mich an den Rand der Verzweiflung bringt, ich werde sie immer für ihren Mut und ihre Stärke bewundern, die sie damals hatte. Sie hat meiner Mutter und meiner Tante ein Leben in Freiheit geschenkt und mir damit auch. Wer weiß, wo ich heute wäre, wenn sie das damals nicht getan hätte.
Ich will eigentlich nicht mehr viel sagen. Ich hoffe, dass wir uns immer daran erinnern werden, was die Deutsche Einheit bedeutet. Nicht umsonst haben Menschen ihr Leben aufs Spiel gesetzt und leider auch zu oft verloren, um die DDR zu verlassen.
Ellinett kommentiert