03
Okt
09

Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit

Heute feiern wir den Tag der Deutschen Einheit, unseren Nationalfeiertag. Nur leider feiern wir ihn nicht alle so ausgelassen, wie die Amerikaner den 4. Juli oder die Franzosen den 14. Juli. Das ist eigentlich schade, aber vielleicht brauchen wir auch noch ein paar Jahre, um wirklich zu begreifen, was da passiert ist. Oder es liegt an der unterschiedlichen Mentalität, aber darum gehts mir auch heute nicht.

Wenn man mich heute fragt, was ich am 9. November 1989 gemacht habe, dann kann ich auch nur sagen: Ich weiß es nicht. Ich war 5! Ich meine mich daran erinnern zu können, dass meine Eltern vor dem Fernseher gesessen haben und ich kann mich auch an den späteren Auftritt von David Hasselhoff erinnern. Aber natürlich war mir die Tragweite des Ereignisses in diesem Moment nicht bewusst. Man möge es mir verzeihen.

Mittlerweile ist es also fast 20 Jahre her, dass Deutschland zu einer Einheit wurde und mittlerweile weiß ich auch, was das bedeutet. Deutschland gehört zusammen und am 9. November endete mit der DDR eine menschenfeindliche Diktatur.

Meine Omma musste das am eigenen Leib erfahren und schildert mir heute noch ihre Erlebnisse von damals.
Da Dortmund in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs beinahe dem Erdboden gleich gemacht wurde, flüchtete meine Omma nach Zwickau zur Verwandtschaft. Dort wurde sie aus Mangel an Lehrkräften in den Schuldienst berufen. Dort lernte sie auch meinen Opa kennen. Sie ging später mit ihrem Mann nach Berlin, in den Ostteil natürlich.
Der Mann meiner Omma, mein Opa, aber mir leider nicht bekannt, hatte sich in der DDR einiges zu schulden kommen lassen und „machte“ irgendwann rüber. Seine Frau, ließ er vorerst zurück mit zwei kleinen Mädchen. In dieser Zeit, alleine im Osten, wurde sie verhört und ihr Unterricht verwanzt. Es muss schrecklich gewesen sein. Sie hatte Angst um ihre Kinder und ihre Zukunft. Schließlich entschloss sie sich auch zur Flucht. Mit meiner Mutter im Kinderwagen und meiner Tante an der Hand nahm sie die Bahn nach Westberlin, denn die Mauer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebaut. Viele Erinnerungen und Fotos musste sie zurücklassen, aber ihre Freiheit hatte sie gewonnen. Sie machte sich mit dem Flugzeug, trotz großer Angst, wieder zurück auf den Weg nach Dortmund, um dort in beengten Verhältnissen mit einem anderen Teil der Verwandtschaft zusammen zu leben.
Ich kann und will mir nicht vorstellen, was es heißt von der einen in die andere Diktatur zu gelangen. Das muss der reinste Horror gewesen sein.
So skurril meine Omma auch ist und so oft sie mich an den Rand der Verzweiflung bringt, ich werde sie immer für ihren Mut und ihre Stärke bewundern, die sie damals hatte. Sie hat meiner Mutter und meiner Tante ein Leben in Freiheit geschenkt und mir damit auch. Wer weiß, wo ich heute wäre, wenn sie das damals nicht getan hätte.

Ich will eigentlich nicht mehr viel sagen. Ich hoffe, dass wir uns immer daran erinnern werden, was die Deutsche Einheit bedeutet. Nicht umsonst haben Menschen ihr Leben aufs Spiel gesetzt und leider auch zu oft verloren, um die DDR zu verlassen.

30
Sep
09

3 Tage nach der Wahl

Das Volk hat gesprochen. Das ganze Volk? – Nein, 29,2 % der wahlberechtigten Bürger haben ihre Stimme nicht abgegeben. Ein schwarzer Tag für die Demokratie.

Nicht nur, dass das Wahlergebnis mir, als Sozialdemokratin, mächtig gegen den Strich geht, auch die niedrige Wahlbeteiligung reizt meine Magenschleimhaut in erhöhtem Maße. Und ich verspreche euch, dass ich nicht versuchen werde Verständnis für die ignoranten und egoistischen Nichtwähler aufzubringen.
Die Entschuldigung, die man fürs Nichtwählen immer hört ist die sogenannte „Politikverdrossenheit“. Tut mir leid, aber allein die Erwähnung dieses Begriffs bringt mich zur Weißglut.
„Politikverdrossenheit“ schaffte es schon 1992 zum Wort des Jahres und wurde 1994 das erste Mal im Duden abgedruckt. Und mittlerweile ist es auch in den Köpfen der Menschen als Entschuldigung für alles angekommen. Ich verstehe auch nicht, warum alle versuchen den Nichtwählern in den Arsch zu kriechen und Verständnis für dieses ignorante Verhalten aufbringen.
Jeder Nichtwähler hat mich persönlich, um meine Zukunft gebracht. Und dabei ist es mir wirklich egal, ob er SPD, CDU oder die Violetten gewählt hätte. Vielleicht bin ich auch einfach nur selber zu intolerant? Mir fällt aber auch nicht ein einziger guter Grund ein, warum man nicht wählen gehen sollte. Auch nicht, wenn ich ganz lange und gründlich nachdenke.

Die einen sagen, dass sie von den Politikern nur verarscht werden. Da frage ich mich, wieso es immer noch Menschen gibt, die bei 9Live anrufen, obwohl die Verarsche nicht offensichtlicher sein könnte. Nein, man ist sogar bereit dafür 50 Cent oder mehr zu bezahlen. Armes Deutschland!

Und wieder andere sagen, dass die Politik am Volk vorbeigeht. Tja, wenn sich das Volk auch nicht an der Politik beteiligt, wie soll das dann andersherum funktionieren.

Das Allheilmittel für alle scheint aber die Politikverdrossenheit zu sein. Den einen ist der Wahlkampf zu langweilig und die Politiker zu farblos. Den einen gehen die Plakate auf die Nerven und die anderen beschweren sich über Wahlaufrufe in Form von Stempeln der Deutschen Post. Sacht mal, Leute, gehts noch?
Was verlangt ihr denn? So viele Menschen reißen sich den Hintern auf, um euch zur Urne zu bewegen. Im Fernsehen und im Internet laufen Spots, in denen Prominente erklären, warum es wichtig ist wählen zu gehen. Der Bundespräsident bittet einen Tag vor der Wahl nochmal alle Wähler in die Wahllokale. Die Kommunen geben Unmengen an Geld aus, um jedem Wahlberechtigten seine Wahlbenachrichtigung zukommen zu lassen. Die Städte übernehmen sogar das Porto für alle, die per Brief abstimmen möchten. Und wofür das alles?
Fast ein Drittel aller Wähler hat es bis Sonntag nicht geschafft sein Kreuzchen zu machen. Zwei popelige Kreuzchen für vier Jahre Zukunft ist wohl wirklich zuviel verlangt. Vielleicht sollte man die zukünftigen Wahlen als Telefon- und SMS-Voting im Fernsehen stattfinden lassen. Kostenpflichtig natürlich! Der Wähler will es ja nicht anders.

43.997.633 Wahlberechtigte von 62.132.442 haben sich an der Wahl am vergangenen Sonntag beteiligt. Also gerade mal 70,8 %. Der Rest ist einfach zuhause geblieben. Ich habe mich am Sonntagmorgen um 6 Uhr aus dem Bett gequält, um den Dienst im Wahllokal anzutreten. Ich habe das Wahllokal vorbereitet, Wahlbenachrichtigungen entgegengenommen und mit dem Wählerverzeichnis verglichen, und nach 18 Uhr zusammen mit 6 Anderen 911 Stimmen mehrfach sortiert und ausgezählt. Erst um kurz vor 20 Uhr, konnte ich mich wieder auf den Heimweg machen. 18.134.809 Nichtwähler sind zuhause geblieben.

Natürlich kann ich auch zuhause bleiben, das ist ja das tolle am Wahlrecht, es ist keine Pflicht. Allerdings zwingt mich persönlich mein Gewissen dazu, meine Stimme abzugeben. Das ist mein Anteil zur Demokratie, von der ich ja auch persönlich profitiere. Ich darf meine Meinung frei äußern, darf mich innerhalb und außerhalb meines Landes frei bewegen. Ich darf glauben, an wen ich mag und ich darf mein Leben so verbringen, wie ich mag. Ich darf studieren, auch wenn einem das mit Studiengebühren nicht sehr leicht fällt und ich darf mir meinen Beruf frei aussuchen. Ich darf mich sogar an der Wahl beteiligen und dem Grundgesetz das zurückgeben, was es für mich tut.

Ich danke jedem, der wählen geht und ich schäme mich für jeden, der nicht wählen geht. Und wenn mir noch einer erzählen will, dass Nichtwähler zum Ausdruck bringen möchten, dass die aktuelle Politik ihnen nicht passt, dem schreie ich ins Gesicht, dass es die regierenden Politiker nicht interessiert, ob der einzelne gewählt hat oder nicht. Oder meint ihr, dass Frau Merkel jetzt schlaflose Nächte hat, weil Hanswurst nicht wählen gegangen ist? Ich gehe wählen für mich und nicht für die Politiker.
Einen Denkzettel kann ich nur vergeben, wenn ich meinen Mund aufmache und meine Kreuze setze. Wenn über 90 % der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben würden, dann würden sich Merkel und co. über das Ergebnis nur wundern.

Leider werde ich mit diesem Artikel nicht dazu beitragen, dass sich bei den kommenden Wahlen mehr Menschen an die Urnen begeben. Das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen, aber vielleicht entwickelt ja der ein oder andere ein Gewissen und fühlt sich am nächsten Wahlsonntag so schlecht, wie ich mich heute fühle.

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25
Sep
09

Meine Omma geht wählen

Da fällt mir ein. Auch meine Omma geht wählen. Am Sonntag wird sie im feinsten Sonntagsstaat auf mein Klingeln warten. Dann kommt sie die Treppe herunter mit ihrer winzigen Handtasche, die sie vor vielen Jahren in Paris gekauft hat. In die Tasche passt gerade mal die Wahlbenachrichtigung und ihr Personalausweis.
Sie wird über die Straße stolzieren und mir nochmal versichern, dass für sie ja nur die SPD in Frage kommt. Dass sie auch schon immer SPD gewählt hat, selbst damals in der DDR, als es noch möglich war. Sie wird sagen, dass sie ihren Stimmzettel genommen hat und nicht in die Wahlkabine gegangen ist und demonstrativ vor aller Augen das Kreuz bei der SPD gesetzt hat.
Wir werden sie Straße überqueren und wird sich versichern, dass sie auch am richtigen Wahlraum ist und noch einmal die Nummer des Wahllokals mit ihrer Wahlbenachrichtigung vergleichen. Mich wird sie dann auch nochmal fragen, auch wenn sie schon seit Jahren immer im gleichen Lokal wählt.
Wenn sie an den Tisch der Wahlhelfer tritt gibt sie stolz ihren Wahlschein ab und nimmt den Stimmzettel in Empfang. Sie wird mir leise zuflüstern, dass sie gar nicht nachlesen braucht, was auf dem Zettel steht, denn sie weiß ja schon, an welcher Stelle sie ihre Kreuze setzen wird. Wenn sie Schlange stehen muss, wird sie ungeduldig werden und mir später sagen, dass die Leute doch genügend Zeit haben, um sich vorher zu informieren. Schließlich würden ja auch noch andere wählen gehen wollen. Da sollte man sich nicht so viel Zeit nehmen.
Wenn sie ihre Kreuze gemacht hat, wird sie ihren Stimmzettel in die Urne werfen und noch etwas Aufmunterndes zum Wahlhelfer sagen, der die Urne bewacht. Und dann wird sie warten, bis ich meine Stimme abgegeben habe. Meine Omma wird sich bei mir unterhaken und gemeinsam mit mir das Wahllokal verlassen. Je nachdem, wird sie mir sagen, dass die Wahlbeteiligung wahrscheinlich doch nicht so hoch oder höher als erwartet wird. Auf dem kurzen Rückweg wird sie zufrieden lächeln und mir sagen, dass sie sehr gespannt auf das Ergebnis wartet. Sie wird mich fragen, wann denn mit den ersten Hochrechnungen zu rechnen ist und auf welchem Sender sie die sehen kann.
An meiner Wohnungstür angekommen, wird sie sich von mir verabschieden und mich noch einmal fragen, ob ich mich nach dem Stimmen auszählen bei ihr melden werde oder gleich ins Rathaus zur Wahlparty gehe. Sie wird mir viel Spaß wünschen oder viel Erfolg. Und sie wird sagen, dass sie auf ein gutes Ergebnis der SPD hofft. Dann wird sie die Treppe wieder hoch gehen, die Tür aufschließen und in ihre Wohnung gehen. Sie wird die Tür hinter sich schließen und froh darüber sein, dass sie ihre Kreuze gemacht hat, so wie sie es schon immer getan hat, seit 60 Jahren. Sie wird sich an vergangene Wahlen erinnern. An die Wahlen vor vielen Jahren, als die Menschen noch wussten, dass Politik wichtig ist und sich auf die Wahl gefreut haben. Als sie in ihrem feinsten Sonntagsstaat gekleidet mit stolz geschwellter Brust das Wahllokal betreten haben.

23
Sep
09

Noch 4 Tage bis zur Wahl

Heute ist mal wieder einer dieser Tage, an denen ich mich der Öffentlichkeit mitteilen will und daher gibt es auch diesen neuen Artikel.

In vier Tagen ist Wahl – Bundestagswahl. Für viele Menschen ist das ein wichtiges Ereignis. Sie dürfen ihre Stimme abgeben. Und manche haben das sogar schon getan, mittels Briefwahl. Leider gibt es aber auch viele Menschen, die am kommenden Sonntag ihre Stimme nicht abgeben wollen. Menschen, die sagen, dass sie kein Interesse an der Politik haben und daher auch nicht wählen gehen möchten. Dann gibt es welche, die sehr wohl politische interessiert sind, aber das Vertrauen in ihre Stimme verloren haben und deswegen am Sonntag auch lieber zuhause bleiben.

Und dann gibt es auch Menschen, die sich in den vergangenen Wochen und Tagen buchstäblich den Arsch aufgerissen haben, um auch noch den letzten Wähler an die Urne zu bekommen. Es ist Wahlkampf und ich stecke ebenfalls mittendrin. Ich stehe am Infostand vorm Supermarkt und bringe Flyer, Kugelschreiber und Einkaufswagenchips unter die Leute. Ich höre mir Beschimpfungen an, muss mich als Betrüger bezeichnen lassen, werde arrogant ignoriert und bekomme gottseidank auch oft ein Lächeln geschenkt.
Ich mache das gerne, weil ich die Demokratie wirklich wichtig finde. Ich meine die Politik regelt unser tägliches Leben, zwar mehr im Hintergrund, aber dennoch maßgebend.
Und genau deswegen stehe ich gerne im roten Polo in der Stadt, auf dem Wochenmarkt oder vorm Discounter, weil ich möglichst viele Menschen erreichen möchte. Ich will die Passanten daran erinnern, dass Wahl ist und dass es wichtig ist, dass sie ihre Kreuze machen. Ich kann das gar nicht oft genug sagen und ich werde wütend, wenn mal wieder jemand kommt und sagt: „Ich geh nicht wählen, warum auch? Denen ist das doch eh egal, was ich zu sagen habe.“ So einfach ist das nicht, wenn ich nichts sage, dann kann mir auch niemand zuhören.

Steinmeier, Merkel, Westerwelle und co. haben sicherlich keine Zeit jeden Wähler einzeln anzuhören. Das ist leider so, aber ehrlich gesagt machen die auch nicht die Politik alleine. Die Demokratie lebt von Mehrheitsentscheidungen und einer alleine ist nun mal keine Mehrheit. Aber im Bundestag da sitzt in der Regel auch jemand aus deiner Heimat, aus deinem Dorf oder deiner Stadt. Jemand, den du garantiert schon auf Plakaten in deiner Stadt gesehen hast. Und nicht nur da, denn die Kandidaten für den Bundestag aus deinem Wahlkreis machen auch Wahlkampf in deinem Wahlkreis. Und dort kann man sie auch ansprechen und ihnen sagen, was man zu sagen hat. Ehrlich gesagt, würden sie sich sogar freuen, wenn mehr Bürger mit ihnen das Gespräch suchen würden.

Ich möchte jedem, der diesen Artikel liest, nur empfehlen, bei Fragen und Unklarheiten das Gespräch mit genau diesen Menschen zu suchen. Und wenn sie nicht in der Füßgängerzone zu finden sind, dann schreibt ihnen eine Email. Fast jeder Kandidat ist mittlerweile im Web 2.0 angekommen.

Wer noch gar keinen Plan hat, wer denn überhaupt zur Wahl steht und worum es überhaupt geht, kann den Wahl-o-mat nutzen. Dort werden Aussagen angeboten, denen man zustimmen kann oder nicht. Anschließend vergleicht man sein Ergebnis mit den Meinungen der Parteien und erfährt so, welche Partei einem am nächsten liegt.

Ich bedanke mich bei jedem, der seine Stimme am Sonntag abgibt oder bereits abgegeben hat. Die Demokratie lebt von ihren Wählern. Und einen Denkzettel kann ich nur setzen, wenn ich wählen gehe. Auch ungültige Stimmen werden wie nicht abgegebene Stimmen nicht zum Ergebnis gerechnet.

Daher heißt es am Sonntag: Wählen gehen!!!!!!

07
Sep
09

Mein Plan

In meinem Plan schreibe ich ab heute auf, was ich für die Uni noch zu erledigen habe bis zu meinem Abschluss. Ich studiere Geschichte und Evangelische Theologie und Geschichte im 2-Fach-Bachelormodell und habe bis zu den Anmeldungen meiner Prüfungen nur noch eins zu tun: Hausarbeiten schreiben. Damit ich das auch wirklich tue, erstelle ich diesen Plan, um immer den Überblick über meine offenen Aufgaben zu behalten.

Also für das Fach Theologie muss ich 10 Module erfolgreich bestehen.
Einiges habe ich schon geschafft und anderes ist noch offen.
Modul I: geschafft
Modul II: geschafft
Modul III: geschafft
Modul IV: geschafft
Modul V: Es steht noch eine Hausarbeit von ca. 12-15 Seiten aus. Das Thema steht schon fest.
Modul VI: geschafft
Modul VII: geschafft
Modul VIII: Hier muss ich noch zwei Hausarbeiten schreiben, wobei eine schon fast fertig ist und mit 10 von 12 Seiten seit Monaten brach liegt. Die andere muss noch mit dem Dozenten besprochen werden.
Modul IX: Hier fehlt auch noch eine Hausarbeit. Thema steht schon fest.
Modul X: geschafft

In Geschichte ist die Liste etwas kürzer. Hier müssen 8 Module abgearbeitet werden.
Von Modul I-VI habe ich alles erledigt.
Modul VII: Eine Hausarbeit steht noch aus. Das Thema steht fest.
Modul VIII: Auch hier wartet eine Hausarbeit auf Fertigstellung. Das Grundgerüst steht schon.

Für die Erledigung aller Arbeiten habe ich maximal sechs Monate Zeit.
Ich werde diesen Plan natürlich immer wieder aktualisieren und meine Fortschritte festhalten.

07
Sep
09

Wie komme ich da wieder raus?

Heute ist so ein Tag, an dem ich mir wieder die verrücktesten Gedanken mache. Ich frage mich, wie ich da wieder raus kommen soll. Aber fangen wir, wie immer, am besten am Anfang an.

Vor einigen Wochen ging es mir gar nicht gut. Ich war müde und antriebslos und habe in meiner Zukunft nur ein großes schwarzes Loch gesehen. In dieser Zeit gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf, dass ich sie dringend loswerden musste und das passierte hier über diesen Blog. Ich habe eben versucht mich selbst zu therapieren, da mein Therapeut leider nicht 24 Stunden rund um die Uhr Zeit für mich hat.
Etwa zeitgleich habe ich meine Twitteraktivitäten erhöht, da ich, und ich bin ehrlich, gehofft habe so Leser für meinen Blog zu gewinnen. Mit einigen Startschwierigkeiten hat das auch geklappt.

Und jetzt bin ich in einem Dilemma. Mittlerweile geht es mir wieder besser. Ich habe in der letzten Zeit so viele nette Menschen kennengelernt. Neue Perspektiven geschaffen und andere Eindrücke bekommen. Ich hocke nicht mehr in meinem eigenem Saft und bade mich in meiner hoffnungslosen Situation. Ich habe Zuversicht gewonnen und weiß, dass ich mein Leben meistern werde. So oder so.

Bei meiner aktiven Mitarbeit im Kommunalwahlkampf in Dortmund habe ich unter den Jusos neue Kontakte geknüpft und sehr nette Menschen kennengelernt. In den letzten zwei Monaten habe ich mehr über meine Heimatstadt gelernt, als in den ganzen zwei Jahren zuvor. Nur zur Ergänzung, ich bin hier geboren und habe hier auch die ersten 8 Jahre meines Lebens verbracht. War aber durch die Trennung meiner Eltern gezwungen dieses wunderschöne Fleckchen Erde, mein geliebtes Dortmund, für einige Zeit zu verlassen. Erst seit zwei Jahren bin ich endlich wieder zuhause angekommen. Und mit jedem Tag fühle ich mich mit meiner Heimat verbundener. Ich gehe hier nicht mehr weg.
Ich bewundere Menschen, die die Freiheit haben ihren Wohnort zu wechseln, wie sie wollen. Die sowohl im Ausland, als auch in jedem Teil Deutschlands ein Zuhause finden. Ich bin nicht so. Lange habe ich gesucht und jetzt endlich gefunden. Ich merke aber, dass ich abschweife und vertiefe dieses Thema vielleicht nochmal in einem anderen Artikel.

Zurück zum Dilemma. In den Kommentaren und auch aus meinem persönlichen Umfeld habe ich für meinen Blog durchweg positives Feedback erhalten. Das berührt mich in einer Weise, dass ich es gar nicht ausdrücken kann. Und schon gar nicht so, dass ich einen Blogartikel darüber schreiben kann oder überhaupt wieder irgendetwas schreiben kann.

Aber bevor sich hier jemand Sorgen macht. Ich höre nicht auf damit, wie man offensichtlich lesen kann. Ich versuche offensiv damit umzugehen. Ich möchte auch weiterhin, dazu ermutigen mir Kommentare jedweder Art zu hinterlassen. Da ich mich natürlich auch über reine Klickzahlen freue, aber Kommentare sind doch das höchste Lob des Blogautors. Oh, mann, jetzt bin ich schon Autor.

Ich denke inzwischen weit mehr als einmal darüber nach, ob ich einen Artikel, den ich in meinem Kopf habe, überhaupt schreiben kann. Ich traue mich heute zum ersten Mal wieder einfach so draufloszulegen. Ich habe Artikel angefangen und nach einiger Zeit nur als Entwurf gespeichert, da ich befürchtete meine Leser zu verschrecken. Habe gemeint, dass ich hier doch für die Psychotante schlecht hin gehalten werde, wenn ich hier soviel über mich und mein Gefühlsleben schreibe. Ich habe mal wieder versucht mich zu verstecken, einzuigeln, Kopf in den Sand und weg ist das Problem. Dieser Mechanismus ist so in mir drin, obwohl ich genau weiß, dass er falsch ist. Und deswegen schreibe ich es jetzt auf, damit ich mich immer wieder daran erinnern kann.

Im Grunde ist das auch mein Problem mit der Uni und meinen ungeschriebenen Hausarbeiten. Ich verschließe die Augen davor und weiß, dass das Problem immer noch da ist und garantiert noch weiter anwächst, wenn ich es nicht in nächster Zeit gezielt angehe. Ich verspreche jetzt mir und vor euch allen da draußen, dass ich noch heute damit anfangen werde. Auch wenn mir schon allein bei dem Gedanken daran übel wird. Ich werde einen Plan aufstellen und mich systematisch von Baustelle zu Baustelle bewegen und alles nacheinander in Angriff nehmen.

Alles, was ich dafür brauche ist vielleicht ab und an ein wenig Unterstützung und Verständnis von lieben Freunden, neugierigen Lesern und treuen Followern.

26
Aug
09

Wer bin ich überhaupt?

Gerade ist mir diese Frage in den Sinn gekommen. Ich habe keine Ahnung warum, aber jetzt ist sie da und will wahrscheinlich beantwortet werden.

Ich habe hier schon oft erwähnt, dass ich Langzeitstudentin bin, aber ehrlich gesagt finde ich 12 Semester keine lange Zeit – relativ gesehen. Denn was sind schon 6 Jahre im Vergleich zu einem ganzen Leben. Man könnte natürlich sagen, dass die Jahre in den 20ern die besten Jahre überhaupt sind. Man ist kein pubertärender Teenager mehr, fängt an zu reifen und stellt die Weichen, die für das weitere Leben eine Rolle spielen sollen.
Aber ehrlich gesagt, habe ich hier ja schon mal gesagt, dass das Leben nicht immer nach Plan läuft und es mehr als den einen Weg gibt.

Gut, wer bin ich also?

Ich bin ein Mensch, genauer gesagt eine Frau.

Ich bin beste Freundin, Gefährtin, Partnerin. Alles in einem nur für ihn – meinen Schatz. Seit fast vier Jahren sind wir ein Paar und seitdem wir zusammen wohnen unzertrennlich. Nicht im wörtlichen Sinne. Jeder Mensch braucht seine Freiheiten. Sollte eigene Hobbys haben und auch mal einen Tag ohne den anderen auskommen können. Unzertrennlich sind wir im Geist. Wir verstehen uns ohne Worte und selbst über Kilometer hinweg. Wir denken aneinander und oft auch das Gleiche. Wir sind mal verrückt und verspielt, mal traurig und ernst. Aber immer beieinander und füreinander da.

Ich bin Tochter, Schwester, Enkelin. Letzteres zur Zeit in Dauerbereitschaft, denn meine Oma ist nicht mehr so, wie sie mal war. Sie braucht Hilfe. Beinahe täglich erhalte ich einen Anruf oder eine Notiz auf den AB. Mal ist der Fernseher verstellt, mal fehlt ein dämliches Puzzleteil und mal möchte sie einfach nur wissen, dass ich da bin. Sie braucht das. Sie braucht mich. Und ich kann nicht nein sagen, weil ich jeden Moment, den wir beide miteinander haben genießen möchte, auch wenn das nicht immer einfach ist.

Ich bin Freundin von vier außergewöhnlichen jungen Frauen.
Die Erste meistert ihr Studium mit Bravour, bereist die Welt und ist dennoch immer mit mir verbunden, dank Skype.
Die Zweite ist Mutter von zwei liebenswerten Kindern und Studentin gleichzeitig. Sie schafft, wenn auch mit Pausen, das was sie will und ist genau die Art von Mutter, die ich gerne mal sein möchte. in der fernen Zukunft.
Die Dritte hat mit stetiger Arbeit und einem enormen Durchhaltevermögen den Mann und das Leben bekommen, das sie schon immer haben wollte. Ich freue mich sie jetzt schon zu kennen, die zukünftige Museumsdirektorin vom Louvre.
Und die Vierte braucht einfach mehr Mut, zu sich selbst zu stehen, dann schafft sie es auch von ganz allein ihr Lebe in den Griff zu kriegen.

Ich bin Mitglied in der SPD. Wahrscheinlich kaum zu glauben, aber wahr. Gerade in der Zeit der Krise der SPD habe ich mich entschlossen beizutreten. Warum? Weil ich mitreden will, mitmachen will. Ich will Entscheidungen treffen und meine Zukunft aktiv beeinflussen können. Und außerdem will ich weiterhin in einer sozialen Welt leben. Ich möchte, dass meine zukünftigen Kinder in einer Welt aufwachsen, in der die Menschen füreinander da sind. Ich will, dass sie so leben können wie ich. Vielleicht sogar besser leben als ich. Unabhängig von meinem Status und dem ihres Vaters soll ihnen die Welt offen stehen. Und genau darum bin ich bei der SPD.

Ich bin ein Teil der „Gelben Wand“. Bei jedem Heimspiel unterstütze ich den BVB laut und mit Leidenschaft. Es gibt nicht Größeres, nichts Besseres, als mit 80.000 Menschen den geilsten Verein der Welt anzufeuern.

Ich bin Twitterer, Facebooker und manchmal auch noch Blogger. Ich lebe, liebe und hasse das Web 2.0. Es ist immer jemand da, wenn du ihn brauchst, aber es ist auch immer jemand da, auch wenn du ihn überhaut nicht brauchst. Irgendwie eine verzwackte Geschichte.

Ich bin Christ. Ich bin nicht fundamentalistisch und garantiert nicht abhängig. Doch das Gefühl, dass da jemand ist, dass da Gott ist, das finde ich gut.

Ich merke, ich bin so vieles. Meine Frage zu beantworten ist also gar nicht so einfach.
Obwohl…
…eigentlich ist die Antwort ganz einfach und liegt auf der Hand.

Ich bin ich.

Nicht mehr und nicht weniger. Und ich bin gerne ich. Mit 1000 Facetten, aber immer noch ich.

11
Aug
09

Wenn mich der Mut verlässt

Heute ist es mir wieder passiert. Mich hat der Mut verlassen, ganz plötzlich und völlig ohne Grund. Ich wollte etwas tun, was ganz Banales, einfach mal nachfragen und – zackbumpeng – weg war er, der Mut. Ich bin rot geworden, habe nur noch gestammelt und habe mich furchtbar blamiert.

Mut? Was ist das eigentlich? Woher kommt der überhaupt und warum, um Himmels willen verlässt er mich manchmal ganz plötzlich und fast immer im entscheidenden Moment?
Wikipedia sagt, dass Mut „das wagende Vertrauen in die eigene Kraft“ ist. Toll, damit wären wir ja wieder beim alten Thema – Vertrauen.

Mut ist so wichtig im Leben. Als ich klein war, brauchte ich den Mut, um die Welt zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. Als ich in der Schule war, brauchte ich den Mut, um fragen zu stellen und Antowrten zu geben. Heute brauche ich den Mut, um mich selbst zu verwirklichen und meine Ideen umzusetzen. Dafür brauche ich Mut.

Manchmal habe ich so viel Mut, dass ich gar nicht weiß, woher der kommt. In den vergangenen Wochen hat sich was getan. Ich war mutig, habe nachgefragt und Erfolg gehabt. Mir haben sich neue Perspektiven eröffnet und ich habe wieder Hoffnung geschöpft. Es geht bergauf.
Und dann stand ich da heute, hatte nur eine simple unwichtige Aufgabe zu erledigen und der Mut hat mich verlassen. Nicht, dass davon die Welt untergehen oder meine Pläne ruiniert werden würden. Aber warum ist das so?

Wann ist Mut eigentlich am schwersten?

Mut, zu schreiben. Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf. Gedanken, die ich gar nicht immer aussprechen kann, weil es so viele sind. Ich nutze hier die Möglichkeit aufzuschreiben, was ich denke. Denn niemand kommentiert, was ich schreibe (wirklich niemand?). Ich kann schreiben, was ich will. Und auch wenn es hier einige Leute lesen. Die Reaktion ist nicht unmittelbar. Ich bekomme sie nicht mit und das macht es wirklich einfach. Andererseits bleibt das geschriebene Wort erhalten. Nicht nur auf gedrucktem Papier, sondern gerade hier im Netz im Zeitalter von digitalen Speichermedien bleibt das, was ich schreibe ewig gespeichert. Und wenn ich nichts schreibe, dann fürchte ich mich vor der Reaktion auf mein Nichtschreiben. Ich brauche mehr Mut, zu schreiben.

Mut, zu sprechen. Ich rede viel, den ganzen lieben Tag lang, sofern mir jemand zuhört, manchmal aber auch mit mir selbst. In heiklen Momenten versagt mir die Stimme. Ich fange an zu stottern und werde knall rot. Dabei ist das doch das wichtigste. Ich muss sprechen, damit mich andere hören können. Doch was ist, wenn den anderen nicht gefällt, was ich sage? Wenn sich andere auf den Schlips getreten fühlen, weil ich Dinge sage, die für andere unangenehm sind? Aber gesprochene Worte sind vergänglich. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Ich brauche mehr Mut, zu sprechen.

Mut, zu handeln. Ich bin ein sehr aktiver Mensch. Ich liege nicht gern den ganzen Tag im Bett herum. Ich muss was tun. Ich will die Welt verändern, verbessern, nur ein winziges Bisschen. Man soll sich an mich erinnern können. Ich muss handeln, um im Leben weiterzukommen. Niemand hat bisher seine Ziele erreicht, indem er seine Hände im Schoß liegen gelassen hat. Und dennoch kann man doch nie genug tun. Ich kann mehr tun, mehr bewegen. Ich brauche mehr Mut, zu handeln.

Ich brauche mehr Mut, gerade in den entscheidenden Momenten.

Und was ist mit dem Mut in diesem Moment? Warum ist nicht jetzt gerade dieser Moment entscheidet? Wer sagt denn überhaupt welcher Moment entscheidend ist?
Vielleicht bin ich ja doch mutig, wenn ich das hier schreibe. Vielleicht ein wenig. Hauptsache ich verliere jetzt nicht den Mut, das Ganze auch zu veröffentlichen.

02
Aug
09

Den Starbucksbecher in der Hand …

… haltend flaniere ich an den Schaufenstern der Dortmunder Innenstadt vorbei. Dabei interessiert mich die Auslage in den Geschäften überhaupt nicht. Ich denke darüber nach, warum ich mich dazu entscheiden habe, meinen Kaffee bei Starbucks zu kaufen, um jetzt damit durch die Innenstadt zu gehen, obwohl ich weder ein Ziel habe, noch unter Zeitdruck stehe.

Ich hatte Hunger und hatte die Wahl zwischen einem kurzen Imbiss bei diversen weltweit agierenden Fastfoodketten, dem ortsansässigen Dönermeister und nem leckeren, kalorienreichen Muffin von Starbucks. Ich entschied mich für Letzteres. Und warum, frage ich mich.
Ich war auf dem Weg zur Arbeitsstelle meines Freundes, einem renommierten Hotel in der Dortmunder Innenstadt, um ihm seine vergessenen Zigaretten hinterherzutragen. Zugegeben Arbeitsstelle ist hier eigentlich nicht der richtige Fachterminus. Mein Freund macht dort ein Praktikum, das Ganze nennt sich Stufenqualifizierung oder schön ausgedrückt „Umschulung“. Aber das ist hier auch gar nicht das Thema.
Ich hatte mich also für den Starbucksbecher plus Starbuckspapiertüte entschieden und zwar aus folgenden Gründen:
A) Wenn ich, als sagen wir leicht vollschlanke Person, mit einer Fastfoodtüte durch die Gegend laufe, denkt doch jeder, der mich sieht: „Schau dir die an! Als wenn die es nötig hätte!“
B) Der Starbucksbecher vermittelt Passanten folgendes Bild:
„Oh, sie trinkt Starbucks und nicht so ne Billigplörre! Die kennt sich aus, die weiß was sie will und kann sichs auch leisten.“

Das Problem ist allerdings, dass der Starbucksbecher nicht hält, was er verspricht. Wahrscheinlich werde ich mich, in sagen wir ziemlich genau 3 Wochen, darüber ärgern, dass ich ihn überhaupt gekauft habe, wo doch ein anderer Kaffee es auch getan hätte und gerade mal ein Drittel von dem gekostet hätte, was ich bei Starbucks bezahlt habe. Und außerdem mag ich doch Menschen, die nur nach dem Äußeren schauen, überhaupt nicht. Sowieso, sollte ein Starbucksbecher nicht als Indikator für gesellschaftliche Schichten stehen. Der Starbucksmuffin hat die tolerierte Grenze des täglichen Kalorienbedarf deutlich überschritten und verbietet mir den Genuss von weiteren leckeren Speisen ohne schlechtes Gewissen. Starbucks ist zudem auch noch Mainstream und daher nicht besser als jede andere Fastfoodkette.

Was bleibt ist das Gefühl, als zukünftige „Frau von Welt“, wenigstens für ein paar Minuten auch so angesehen zu werden.

01
Aug
09

Lesen aber auch

Nachdem ich vor einiger Zeit einen Artikel nur dem Schreiben gewidmet habe, möchte ich heute die Kulturtechnik des Lesens ein wenig hervorheben.

Lesen habe ich schon vor dem ersten Schultag gelernt, zumindest wurde mir das von meinen Eltern so überliefert. Mein erstes Buch, welches ich damals durchgelesen habe, war die Neukirchener Kinderbibel. Und ich weiß, dass das total gefakt klingt. Aber es war so.

Kommen wir zurück zum Lesen. Lesen ist neben Schreiben und Rechnen eine der wichtigsten Kulturtechniken des Menschen. Und doch liest jeder vierte Deutsche nicht mal ein Buch in seinem Leben. Traurig aber wahr.

Ich lese so gerne, dass ich gar nicht soviel lesen kann, wie ich gerne möchte. Bei mir zuhause stapeln sich die Bücher, die unbedingt noch gelesen werden wollen. Und es kommen immer mehr dazu. Ich kann einfach nicht an einem guten Buch vorbei gehen. Aus einem Buchladen oder einer Bibliothek komme ich in der Regel nicht vor Ablauf einer Stunde heraus. Lesen macht einfach süchtig. Lese ich ein gutes Buch von einem Autor verlangt es mich zu seinem nächsten Werk. Und ganz furchtbar, ich kann das zweite nicht vor dem ersten lesen. Bemerke ich also, dass ich nur den zweiten oder dritten Band einer Reihe besitze, muss ich auch die Vorgänger besorgen.

Aber ich habe Glück, denn Lesen bildet und wer soviel liest wie ich, der weiß, dass das stimmt. Historische Romane helfen Geschichte zu begreifen, Kriminalromane stillen unsere Mordlust und Liebesromane wecken ein Kribbeln im Bauch. Lesen ist so wichtig, wie das Amen in der Kirche. Und wenn man nicht zum Buch greift, dann sollte wenigstens ne Zeitschrift, ‘n Magazin oder zumindest ne Tageszeitung drin sein, von mir aus auch ne Werbetafel im Stadion. Hauptsache man liest.

Auch für die Uni muss man lesen. Ohne geht nicht, das ist klar und man liest soviel. Bei jeder Hausarbeit steht am Anfang die Literaturrecherche. Schlimm ist dann nur, wenn du so viel zu deinem Thema liest, dass du am Ende deine Fragestellung aus den Augen verloren hast. Ganz wichtig dabei lesen ist nicht gleich lesen. Wenn ich für die Uni lese, dann habe ich immer auch einen Stift in der Hand, der wichtige Abschnitte hervorhebt und Notizen für später verfasst.

In der Bahn, im Park oder im Bett, die meisten Bücher lassen sich überall mit hin nehmen und wenn ich nur für mich lese, dann bleibt der Stift in seinem Etui. Manche Bücher ob alt oder jung sollte man nur mit Samthandschuhen anfassen, weil sie so wertvoll sind.
Und beim Lesen hat jeder andere Rituale. Ich rieche, jedesmal bevor ich ein neues Buch anfange, im Innenfalz des Buches. Beim nächsten Aufschlagen verbinde ich diesen Geruch mit genau diesem Buch. Irre, welche Verknüpfung das Gehirn da schafft. Und das witzige ist, jedes Buch riecht anders. Schulbücher zum Beispiel riechen süßlich. Krimis eher staubig.

Und ganz wichtig: Lesen verbindet. Die Bookcrossing-Community besteht aus über 700.000 Lesern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Bücher aus der Regalhaltung zu befreien und in der Wildnis auszusetzen, auf dass sie von einem neuen Leser gefunden werden. Das Ganze ist natürlich freiwillig und vollkommen kostenlos und wer denkt, dass sich dadurch der Bücherstau zuhause auflöst, der sei gewarnt, dass Bookcrossing ganz automatisch zur Erhöhung des Mount ToBeRead beiträgt. Und daher verabschiede ich mich heute mit den Worten: Read, Register, Release!