„Die Kurse Ihres zweiten Studienfachs können Sie, wenn Sie hier bestehen wollen, erst ab dem zweiten Studienjahr belegen.“
So und nicht anders lautete einer der ersten Sätze, die ich zu Beginn meines Mathematikstudiums gehört habe. Ja, richtig gehört – MATHEMATIK. Was ich auf der Seite Über Ellinett vergessen habe zu erwähnen ist wohl die Tatsache, dass ich mich zu Beginn meines Studium im Wintersemester 2003/04 für die Fächerkombination Geschichte und Mathematik entschieden hatte. Ja, denn damals war ich motiviert und neugierig. Ich wollte die Welt verändern als Lehrerin für Arme und Reiche, Junge und Alte – ich hatte schon damals den Drang das Unmögliche möglich zu machen.
Ich hatte mich also für diese Fächerkombination entschieden und freute mich auf den ersten Unitag. Vielleicht hätte ich den angebotenene Vorkurs schon damals ein wenig ernster nehmen sollen, aber lassen wir das.
Ich beschränke mich in meinem Eintrag von heute nur auf den Einstieg in das Studienfach Mathematik. Der gut strukturierten Website meiner Universität entnahm ich den anzunehmenden Stundenplan für das erste Semester und empfand vier Tage Vorlesung von 10 bis 12 und zwei Übungsstunden für jeweils zwei Stunden als durchaus zumutbar, denn schließlich war ich ja jetzt Studentin.
So und nun folgte der Satz, den ich zu Beginn des Beitrags schon erwähnt habe.
„Die Kurse Ihres zweiten Studienfachs können Sie, wenn Sie hier bestehen wollen, erst ab dem zweiten Studienjahr belegen.“
Was einer jungen motivierten Studentin, bei dem Hören einer solchen Aussage durch den Kopf geht, weiß ich nicht mehr. Aber was ich heute darüber denke, dass kann ich nur mit einer Frage beantworten.
„Wie bitte?“
Wie bitte? Ich habe also 13 Jahre Schulzeit ohne Ehrenrunde hinter mich gebracht, mich durch eine stressige Abiturphase gequält und mich endlich darauf gefreut voll in das Studium einzusteigen, um dann so eine Aussage vorgesetzt zu bekommen. Man könnte ja sagen, dass der nette Herr Mathematik-Professor mir und meinen Kommilitonen mit dieser Aussage ja nur helfen wollte, indem er uns Erstsemester darauf hinwies, dass das Studium eben kein Pappenstiel ist.
Die himmelschreiende Arroganz, die hinter so einem Satz steckt wurde mir erst später bewusst. Die Ruhr-Universität Bochum hatte als eine der ersten Unis in Deutschland auf den Bologna-Prozess von 1999 reagiert und bereits 2002 das Bachelor/Master Modell eingeführt. Die einzelnen Fakultäten hatten demzufolge nicht viel Zeit ihren Studienplan umzustellen. Einigen gelang die Umsetzung gut und anderen eben nicht so gut und manche Fakultäten beließen alles beim Alten und benannten ihre Seminare einfach nur um. Und um der Vielzahl der Studenten, die dank des neuen Modells die Hörsäle bevölkerten, Herr zu werden, dachte sich die Fakultät für Mathematik wohl, es sei das Beste, den natürlichen Selektionsdruck der ersten zwei Semester noch zu erhöhen. Danke nochmal vielmals.
Ich hielt mich nicht an den „gutgemeinten Ratschlag“ des Herrn Professor und startete zeitgleich das ebenfalls zeitintensive Studium der Geschichte und es kam wie es kommen musste. Ich fiel duch. Ich durchlief also den vorhergesehenen Studienplan ganze zwei Mal bis mich schließlich die Erkenntnis traf, dass ich nicht mehr ich war und hier nur noch Zahlen und Punkte zählten. Man könnte sagen, Mathematik eben.
Nach 4 Semstern gab ich auf und wechselte das Studienfach und zähle heute zu denen, die an Mathe gescheitert worden sind. Ich weiß, dass dieser Satz auch heute noch den motivierten Erstsemstern mitgeteilt. In Zeiten von Studiengebühren eine unhaltbare Aussage.
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