Archiv der Kategorie 'Langzeitstudentin'

07
Sep
09

Mein Plan

In meinem Plan schreibe ich ab heute auf, was ich für die Uni noch zu erledigen habe bis zu meinem Abschluss. Ich studiere Geschichte und Evangelische Theologie und Geschichte im 2-Fach-Bachelormodell und habe bis zu den Anmeldungen meiner Prüfungen nur noch eins zu tun: Hausarbeiten schreiben. Damit ich das auch wirklich tue, erstelle ich diesen Plan, um immer den Überblick über meine offenen Aufgaben zu behalten.

Also für das Fach Theologie muss ich 10 Module erfolgreich bestehen.
Einiges habe ich schon geschafft und anderes ist noch offen.
Modul I: geschafft
Modul II: geschafft
Modul III: geschafft
Modul IV: geschafft
Modul V: Es steht noch eine Hausarbeit von ca. 12-15 Seiten aus. Das Thema steht schon fest.
Modul VI: geschafft
Modul VII: geschafft
Modul VIII: Hier muss ich noch zwei Hausarbeiten schreiben, wobei eine schon fast fertig ist und mit 10 von 12 Seiten seit Monaten brach liegt. Die andere muss noch mit dem Dozenten besprochen werden.
Modul IX: Hier fehlt auch noch eine Hausarbeit. Thema steht schon fest.
Modul X: geschafft

In Geschichte ist die Liste etwas kürzer. Hier müssen 8 Module abgearbeitet werden.
Von Modul I-VI habe ich alles erledigt.
Modul VII: Eine Hausarbeit steht noch aus. Das Thema steht fest.
Modul VIII: Auch hier wartet eine Hausarbeit auf Fertigstellung. Das Grundgerüst steht schon.

Für die Erledigung aller Arbeiten habe ich maximal sechs Monate Zeit.
Ich werde diesen Plan natürlich immer wieder aktualisieren und meine Fortschritte festhalten.

07
Sep
09

Wie komme ich da wieder raus?

Heute ist so ein Tag, an dem ich mir wieder die verrücktesten Gedanken mache. Ich frage mich, wie ich da wieder raus kommen soll. Aber fangen wir, wie immer, am besten am Anfang an.

Vor einigen Wochen ging es mir gar nicht gut. Ich war müde und antriebslos und habe in meiner Zukunft nur ein großes schwarzes Loch gesehen. In dieser Zeit gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf, dass ich sie dringend loswerden musste und das passierte hier über diesen Blog. Ich habe eben versucht mich selbst zu therapieren, da mein Therapeut leider nicht 24 Stunden rund um die Uhr Zeit für mich hat.
Etwa zeitgleich habe ich meine Twitteraktivitäten erhöht, da ich, und ich bin ehrlich, gehofft habe so Leser für meinen Blog zu gewinnen. Mit einigen Startschwierigkeiten hat das auch geklappt.

Und jetzt bin ich in einem Dilemma. Mittlerweile geht es mir wieder besser. Ich habe in der letzten Zeit so viele nette Menschen kennengelernt. Neue Perspektiven geschaffen und andere Eindrücke bekommen. Ich hocke nicht mehr in meinem eigenem Saft und bade mich in meiner hoffnungslosen Situation. Ich habe Zuversicht gewonnen und weiß, dass ich mein Leben meistern werde. So oder so.

Bei meiner aktiven Mitarbeit im Kommunalwahlkampf in Dortmund habe ich unter den Jusos neue Kontakte geknüpft und sehr nette Menschen kennengelernt. In den letzten zwei Monaten habe ich mehr über meine Heimatstadt gelernt, als in den ganzen zwei Jahren zuvor. Nur zur Ergänzung, ich bin hier geboren und habe hier auch die ersten 8 Jahre meines Lebens verbracht. War aber durch die Trennung meiner Eltern gezwungen dieses wunderschöne Fleckchen Erde, mein geliebtes Dortmund, für einige Zeit zu verlassen. Erst seit zwei Jahren bin ich endlich wieder zuhause angekommen. Und mit jedem Tag fühle ich mich mit meiner Heimat verbundener. Ich gehe hier nicht mehr weg.
Ich bewundere Menschen, die die Freiheit haben ihren Wohnort zu wechseln, wie sie wollen. Die sowohl im Ausland, als auch in jedem Teil Deutschlands ein Zuhause finden. Ich bin nicht so. Lange habe ich gesucht und jetzt endlich gefunden. Ich merke aber, dass ich abschweife und vertiefe dieses Thema vielleicht nochmal in einem anderen Artikel.

Zurück zum Dilemma. In den Kommentaren und auch aus meinem persönlichen Umfeld habe ich für meinen Blog durchweg positives Feedback erhalten. Das berührt mich in einer Weise, dass ich es gar nicht ausdrücken kann. Und schon gar nicht so, dass ich einen Blogartikel darüber schreiben kann oder überhaupt wieder irgendetwas schreiben kann.

Aber bevor sich hier jemand Sorgen macht. Ich höre nicht auf damit, wie man offensichtlich lesen kann. Ich versuche offensiv damit umzugehen. Ich möchte auch weiterhin, dazu ermutigen mir Kommentare jedweder Art zu hinterlassen. Da ich mich natürlich auch über reine Klickzahlen freue, aber Kommentare sind doch das höchste Lob des Blogautors. Oh, mann, jetzt bin ich schon Autor.

Ich denke inzwischen weit mehr als einmal darüber nach, ob ich einen Artikel, den ich in meinem Kopf habe, überhaupt schreiben kann. Ich traue mich heute zum ersten Mal wieder einfach so draufloszulegen. Ich habe Artikel angefangen und nach einiger Zeit nur als Entwurf gespeichert, da ich befürchtete meine Leser zu verschrecken. Habe gemeint, dass ich hier doch für die Psychotante schlecht hin gehalten werde, wenn ich hier soviel über mich und mein Gefühlsleben schreibe. Ich habe mal wieder versucht mich zu verstecken, einzuigeln, Kopf in den Sand und weg ist das Problem. Dieser Mechanismus ist so in mir drin, obwohl ich genau weiß, dass er falsch ist. Und deswegen schreibe ich es jetzt auf, damit ich mich immer wieder daran erinnern kann.

Im Grunde ist das auch mein Problem mit der Uni und meinen ungeschriebenen Hausarbeiten. Ich verschließe die Augen davor und weiß, dass das Problem immer noch da ist und garantiert noch weiter anwächst, wenn ich es nicht in nächster Zeit gezielt angehe. Ich verspreche jetzt mir und vor euch allen da draußen, dass ich noch heute damit anfangen werde. Auch wenn mir schon allein bei dem Gedanken daran übel wird. Ich werde einen Plan aufstellen und mich systematisch von Baustelle zu Baustelle bewegen und alles nacheinander in Angriff nehmen.

Alles, was ich dafür brauche ist vielleicht ab und an ein wenig Unterstützung und Verständnis von lieben Freunden, neugierigen Lesern und treuen Followern.

26
Aug
09

Wer bin ich überhaupt?

Gerade ist mir diese Frage in den Sinn gekommen. Ich habe keine Ahnung warum, aber jetzt ist sie da und will wahrscheinlich beantwortet werden.

Ich habe hier schon oft erwähnt, dass ich Langzeitstudentin bin, aber ehrlich gesagt finde ich 12 Semester keine lange Zeit – relativ gesehen. Denn was sind schon 6 Jahre im Vergleich zu einem ganzen Leben. Man könnte natürlich sagen, dass die Jahre in den 20ern die besten Jahre überhaupt sind. Man ist kein pubertärender Teenager mehr, fängt an zu reifen und stellt die Weichen, die für das weitere Leben eine Rolle spielen sollen.
Aber ehrlich gesagt, habe ich hier ja schon mal gesagt, dass das Leben nicht immer nach Plan läuft und es mehr als den einen Weg gibt.

Gut, wer bin ich also?

Ich bin ein Mensch, genauer gesagt eine Frau.

Ich bin beste Freundin, Gefährtin, Partnerin. Alles in einem nur für ihn – meinen Schatz. Seit fast vier Jahren sind wir ein Paar und seitdem wir zusammen wohnen unzertrennlich. Nicht im wörtlichen Sinne. Jeder Mensch braucht seine Freiheiten. Sollte eigene Hobbys haben und auch mal einen Tag ohne den anderen auskommen können. Unzertrennlich sind wir im Geist. Wir verstehen uns ohne Worte und selbst über Kilometer hinweg. Wir denken aneinander und oft auch das Gleiche. Wir sind mal verrückt und verspielt, mal traurig und ernst. Aber immer beieinander und füreinander da.

Ich bin Tochter, Schwester, Enkelin. Letzteres zur Zeit in Dauerbereitschaft, denn meine Oma ist nicht mehr so, wie sie mal war. Sie braucht Hilfe. Beinahe täglich erhalte ich einen Anruf oder eine Notiz auf den AB. Mal ist der Fernseher verstellt, mal fehlt ein dämliches Puzzleteil und mal möchte sie einfach nur wissen, dass ich da bin. Sie braucht das. Sie braucht mich. Und ich kann nicht nein sagen, weil ich jeden Moment, den wir beide miteinander haben genießen möchte, auch wenn das nicht immer einfach ist.

Ich bin Freundin von vier außergewöhnlichen jungen Frauen.
Die Erste meistert ihr Studium mit Bravour, bereist die Welt und ist dennoch immer mit mir verbunden, dank Skype.
Die Zweite ist Mutter von zwei liebenswerten Kindern und Studentin gleichzeitig. Sie schafft, wenn auch mit Pausen, das was sie will und ist genau die Art von Mutter, die ich gerne mal sein möchte. in der fernen Zukunft.
Die Dritte hat mit stetiger Arbeit und einem enormen Durchhaltevermögen den Mann und das Leben bekommen, das sie schon immer haben wollte. Ich freue mich sie jetzt schon zu kennen, die zukünftige Museumsdirektorin vom Louvre.
Und die Vierte braucht einfach mehr Mut, zu sich selbst zu stehen, dann schafft sie es auch von ganz allein ihr Lebe in den Griff zu kriegen.

Ich bin Mitglied in der SPD. Wahrscheinlich kaum zu glauben, aber wahr. Gerade in der Zeit der Krise der SPD habe ich mich entschlossen beizutreten. Warum? Weil ich mitreden will, mitmachen will. Ich will Entscheidungen treffen und meine Zukunft aktiv beeinflussen können. Und außerdem will ich weiterhin in einer sozialen Welt leben. Ich möchte, dass meine zukünftigen Kinder in einer Welt aufwachsen, in der die Menschen füreinander da sind. Ich will, dass sie so leben können wie ich. Vielleicht sogar besser leben als ich. Unabhängig von meinem Status und dem ihres Vaters soll ihnen die Welt offen stehen. Und genau darum bin ich bei der SPD.

Ich bin ein Teil der “Gelben Wand”. Bei jedem Heimspiel unterstütze ich den BVB laut und mit Leidenschaft. Es gibt nicht Größeres, nichts Besseres, als mit 80.000 Menschen den geilsten Verein der Welt anzufeuern.

Ich bin Twitterer, Facebooker und manchmal auch noch Blogger. Ich lebe, liebe und hasse das Web 2.0. Es ist immer jemand da, wenn du ihn brauchst, aber es ist auch immer jemand da, auch wenn du ihn überhaut nicht brauchst. Irgendwie eine verzwackte Geschichte.

Ich bin Christ. Ich bin nicht fundamentalistisch und garantiert nicht abhängig. Doch das Gefühl, dass da jemand ist, dass da Gott ist, das finde ich gut.

Ich merke, ich bin so vieles. Meine Frage zu beantworten ist also gar nicht so einfach.
Obwohl…
…eigentlich ist die Antwort ganz einfach und liegt auf der Hand.

Ich bin ich.

Nicht mehr und nicht weniger. Und ich bin gerne ich. Mit 1000 Facetten, aber immer noch ich.

29
Jul
09

Vertrauen ist gut, …

Es ist mal wieder Zeit für einen Eintrag und gerade heute kommt mir das Thema Vertrauen in den Sinn.
Was ist das eigentlich “Vertrauen” und warum tun wir Menschen uns so schwer damit uns selbst oder jemand anderem zu “vertrauen”?

Wikipedia sagt: “Unter Vertrauen wird die Annahme verstanden, dass Entwicklungen einen positiven oder erwarteten Verlauf nehmen.” Leider ist das heute gar nicht mehr so einfach. Die Menschen vertrauen nicht mehr.
Politiker versprechen Dinge, die sie nicht halten können und Prognosen liegen daneben. Das Portemonnaie würde wohl niemand im Park liegen lassen und darauf vertrauen, dass es morgen noch da ist mit Inhalt.
Vertrauen untereinander ist auch immer seltener geworden. Es werden Eheverträge geschlossen, weil niemand mehr darauf vertraut, dass die Ehe ewig hält. Im Supermarkt kontrolliert die Kassiererin den Wagen, weil sie dem Kunden nicht vertraut und der Kunde kontrolliert den Kassenbon, weil er der Kassiererin nicht vertraut. Frei nach dem Motto “Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.” Einem Wahlspruch Lenins.

Manchmal vertraut man sich sogar selbst nicht mehr. Man verliert seine Selbstsicherheit und fühlt sich als Versager.
Doch die Wahrheit ist doch, dass nieman ein Versager ist. Jedem von uns gelingen manche Dinge und manche eben nicht. Das ist völlig normal. Das darf man nicht vergessen.

Ich habe das oft vergessen. Ich weiß, dass in meinem Leben nicht alles so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich hatte es anders geplant. Aber jetzt nehme ich einen anderen Weg und der Weg ist nicht schlechter, sondern einfach nur anders. Ich habe Entscheidungen getroffen mit denen andere Menschen vielleicht Probleme haben, ich aber nicht. Ich bin kein Versager. Ich habe Vertrauen. Und ich würde mich freuen, wenn auch andere Menschen mir und meinen Entscheidungen vertrauen und mich nicht mehr mit diesem mitleidigen Blick ansehen, der sagt: Oh, mein Gott, ihr Leben ist versaut.
Ich bin glücklich, zwar nicht zufrieden, aber glücklich. Ich habe einen Menschen, der mich liebt und der jederzeit für mich da ist. Ich habe eine Familie, auf die ich in der Not zählen kann und ich habe Freunde, die mir zur Seite stehen und Vertrauen in mich haben.
Ich weiß, dass ich es schaffe, denn auf jedes Tief folgt ein Hoch und bisher habe ich es immer geschafft. Es liegt doch in meiner Hand und ich bin nie ein Freund von Untätigkeit gewesen. Also warum nicht einfach vertrauen.

21
Jul
09

Ich stehe kurz davor

Es ist bald soweit. Ich kann es förmlich spüren. Es bahnt sich etwas an. Ganz klar! Auf jeden Fall! Jetzt nur keinen Rückzieher machen. Ich bin ja so aufgeregt.

Bevor ich weitermache, aber erst Mal zum Ursprung der Geschichte. Ich habe das hier schon mal erwähnt. Ich sitze im Moment zuhause. Den lieben langen Tag, die liebe lange Woche. Ab und zu, verirre ich mich in die Welt dort draußen und manchmal, aber wirklich nur manchmal bekomme ich dann auch mal die Möglichkeit zu arbeiten.
Ich sitze also hier zuhause und warte. Ich warte, dass mich die Muse küsst. Nur dass ich weder Dichter noch Schriftsteller bin und mich eben nicht die Muse küsst. Ich muss meine Hausarbeiten schreiben.
Damit wir alle hier auch wissen worüber wir hier sprechen, kläre ich erneut auf. Ich bin Studentin im 12. Hochschulsemester, studiere Geschichte und Evangelische Theologie im Bachelormodellstudiengang und stehe kurz vor meinem Abschluss. Das einzige was mich von einem Bachelorzeugnis trennt, sind diese verdammten Hausarbeiten. Denn leider bringt es das geisteswissenschaftliche Studium so mit sich, dass man eben Hausarbeiten schreiben muss. Hätte ich das vorher gewusst! Aber lassen wir das!

Seit dem ich meine Gedanken hier in diesem Blog verewige und ich im Durchschnitt damit 5 Leser erfreue, spüre ich es in mir. Es ist zurück gekommen. Das Kribbeln in den Fingerspitzen und das widerlich schlechte Gewissen am Abend, weil ich doch nichts getan habe. Ich stehe also kurz davor. Ich werde es bald tun, anfangen zu schreiben. Warum ich das weiß? Und warum es nicht doch wieder nur eine Täuschung ist?
Naja, eigentlich liegt die Antwort schon auf der Hand oder sagen wir im Auge des Bloglesers. Ich schreibe. Jetzt gerade in diesem Augenblick, in dem ich diese Textzeilen verfasse. Wahrscheinlich nicht mehr, wenn du oder ihr oder Sie das liest, lest oder lesen. Aber jetzt gerade hier zuhause in meiner Einöde. Ich schreibe.
Darüber muss ich mir selbst erst mal klar werden. Ein tolles Gefühl! Und jetzt brauche ich nur noch diesen einen winzigen Schritt. Der rein technisch gesehen überhaupt keinen Unterschied macht, denn ob ich jetzt hier bei wordpress.com meinen Blogartikel verfasse oder mein Officeprogramm öffne und meine Hausarbeit schreibe, der Vorgang ist der gleiche. Nur das Ergebnis eben nicht und da liegt das Problem. Während ich hier völlig ungeniert und leider auch völlig unkommentiert herumschreiben kann, muss ich in meiner Hausarbeit auf Formulierungen achten, Fußnoten setzen, Literatur zu Rate ziehen und mich letztendlich auch noch benoten lassen.

Wenn ich jetzt so darüber lese, kommt es mir so vor, als wäre das alles auch überhaupt nicht schlimm. Formulierungen sind hier genauso wichtig wie dort. Fußnoten sind zwar lästig, aber im Grunde genommen ja auch nichts anderes als Verlinkungen, die ich in meinem heutigen Artikel ja auch verwende. Literatur zu bearbeiten kann auch Spaß machen und eröffnet einem immer wieder neue Sichtweisen. Und die Note am Schluss ist doch dann gar nicht mehr der Rede wert. Wenn ich mich nämlich aufgerafft habe und die Hausarbeit abgegeben habe, dann habe ich es geschafft. Das ist meine Leistung und ehrlich gesagt, ich habe schon Hausarbeiten geschrieben, vor langer, langer Zeit, und durchgefallen bin ich da auch nicht.

Oh Mann, ja ich spüre es! Es ist wirklich bald soweit! Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen und ich darf bloß nicht wieder die Nerven verlieren. Nein, auf gar keinen Fall. Jetzt geht es um alles, um mich und um meine Zukunft, die auf mich wartet. Sie lauert nicht, sie wartet ganz geduldig. Ich brauche keine Angst haben. Ich schaffe das!

15
Jul
09

Der eine Weg

“Nein, ich möchte nicht Lehrerin werden.”
“Nein, auch nicht Pastorin.”
“Was dann? Tja, was dann, na ich weiß auch nicht…Bildungsministerin für NRW vielleicht?!”

Nicht selten antworte ich so, wenn mir die Frage nach meinem Berufswunsch gestellt wird. Es sind immer diese typischen Kennenlernfragen, denen ich immer wieder begegne und die eine Langzeitstudentin mit chronischer Schreibblockade auch mal in Verlegenheit bringen können.
Was soll das eigentlich mit dieser ständigen Fragerei? Und dann immer dieser entsetzte Blick, wenn die Leute hören, dass ich mit der Fächerkombination Geschichte und Evangelische Theologie nicht das Ziel habe Lehrerin oder Pastorin zu werden. Irgendwie scheinen die Leute zu denken, dass es für jeden Menschen dieses vorgeschriebene Ziel gibt und für jedes Studium den passenden Beruf. In manchen Bereichen liegt das vielleicht auch auf der Hand. Der Medizinstudent möchte Arzt werden, der Jurastudent wird Anwalt oder Richter und der Naturwissenschaftsstudent Forscher. Auch wenn diese einfache Zuordnung auch da nicht immer greift.
Der Geisteswissenschaftler kann dann ja nur noch Lehrer werden.
Und wenn nicht? Naja, der Historiker geht ins Museum oder wieder an die Uni als Professor. Der Anglist oder auch Romanist geht ins Ausland und was er da macht, keine Ahnung, auf jeden Fall ins Ausland. Der Psychologiestudent wird Therapeut, der Germanist Journalist. Der Theologe geht zur Kirche, wird Pfarrer oder Pastor. BWler und VWLer gehen in die Wirtschaft. Mann, kann das Leben einfach sein!

Tja und wenn es nicht so einfach ist? Wenn du dir rechtzeitig darüber klar wirst, dass der Lehrerberuf mal so gar nichts für dich ist? Wenn du merkst, dass du studierst und studierst und gar nicht mehr weißt wofür eigentlich und die Zeit nach dem Studium wie ein großes dunkles Loch auf dich wartet?
Man liest Berichte von der Arbeitslosenquote, die auch unter Akademikern hemmungslos nach oben steigt. Man hört vom Bekannten des Bekannten, dass der nach seinem Lehramtsstudium und erfolgreich absolvierter Referendariatszeit jetzt im Kiosk um die Ecke jobben muss. Im Fernsehen wird der gescheiterte Germanist portraitiert, der jetzt im Obdachlosenheim übernachtet und dem Alkoholismus verfallen ist. Zugegeben das Ganze scheint ein wenig schwarzmalerisch. Aber mit der Suche nach dem optimalen Beruf und der Vorbereitung auf das Leben nach der Uni wird der Geisteswissenschaftsstudent in der Regel komplett allein gelassen. Dabei sind die Möglichkeiten so vielfältig.
So vielfältig, dass ich leider immer noch nicht genau weiß, was ich wirklich machen werde. Aber ich begreife diese Situation nicht als mangelhaft. Ich sehe das als Chance.
Ich bin offen für alles. Naja, nicht alles, denn sicher weiß ich, dass Lehrerin oder Pastorin nichts für mich ist. Ich weiß aber auch, wer ich bin, was mich interessiert und was ich im Leben erreichen möchte.
Ich möchte Familie, ich möchte Kinder und einen lieben Ehemann.
Ich möchte arbeiten gehen Vollzeit, trotz Kindern, nicht selbstverständlich und leider auch nicht immer möglich für eine Frau in Deutschland.
Ich möchte der Welt meinen Stempel hinterlassen, einen kleinen Stempel, aber einen Stempel.
Ich will nicht in der Masse verschwinden und möchte mich für meine Ideen einsetzen und engagieren und vielleicht die Welt nur ein winziges bisschen besser machen.

Die Berufswahl ist sicherlich eine der schwierigsten Fragen im Leben eines jungen Menschen. Nur, und ich denke, dass auch Studenten das manchmal vergessen, es gibt nicht den einen Weg, nichts ist in Stein gemeißelt und nichts steht fest. Tu das, was dir liegt und woran du auch in zehn Jahren noch Freude hast und wenn nicht, dann such dir halt was anderes, nur bleib dir selber treu.

Das klingt jetzt vielleicht alles ein wenig philosphisch und vielleicht auch ein wenig illusorisch, aber mein Gott, sei’s drum. Man lebt doch nur einmal!

P.S.: Und was ich noch sagen wollte, das mit der Bildungsministerin war kein Scherz! Vote for me in 2035!

11
Jul
09

Eine, die an Mathe gescheitert worden ist

“Die Kurse Ihres zweiten Studienfachs können Sie, wenn Sie hier bestehen wollen, erst ab dem zweiten Studienjahr belegen.”

So und nicht anders lautete einer der ersten Sätze, die ich zu Beginn meines Mathematikstudiums gehört habe. Ja, richtig gehört – MATHEMATIK. Was ich auf der Seite Über Ellinett vergessen habe zu erwähnen ist wohl die Tatsache, dass ich mich zu Beginn meines Studium im Wintersemester 2003/04 für die Fächerkombination Geschichte und Mathematik entschieden hatte. Ja, denn damals war ich motiviert und neugierig. Ich wollte die Welt verändern als Lehrerin für Arme und Reiche, Junge und Alte – ich hatte schon damals den Drang das Unmögliche möglich zu machen.
Ich hatte mich also für diese Fächerkombination entschieden und freute mich auf den ersten Unitag. Vielleicht hätte ich den angebotenene Vorkurs schon damals ein wenig ernster nehmen sollen, aber lassen wir das.
Ich beschränke mich in meinem Eintrag von heute nur auf den Einstieg in das Studienfach Mathematik. Der gut strukturierten Website meiner Universität entnahm ich den anzunehmenden Stundenplan für das erste Semester und empfand vier Tage Vorlesung von 10 bis 12 und zwei Übungsstunden für jeweils zwei Stunden als durchaus zumutbar, denn schließlich war ich ja jetzt Studentin.
So und nun folgte der Satz, den ich zu Beginn des Beitrags schon erwähnt habe.

“Die Kurse Ihres zweiten Studienfachs können Sie, wenn Sie hier bestehen wollen, erst ab dem zweiten Studienjahr belegen.”

Was einer jungen motivierten Studentin, bei dem Hören einer solchen Aussage durch den Kopf geht, weiß ich nicht mehr. Aber was ich heute darüber denke, dass kann ich nur mit einer Frage beantworten.

“Wie bitte?”

Wie bitte? Ich habe also 13 Jahre Schulzeit ohne Ehrenrunde hinter mich gebracht, mich durch eine stressige Abiturphase gequält und mich endlich darauf gefreut voll in das Studium einzusteigen, um dann so eine Aussage vorgesetzt zu bekommen. Man könnte ja sagen, dass der nette Herr Mathematik-Professor mir und meinen Kommilitonen mit dieser Aussage ja nur helfen wollte, indem er uns Erstsemester darauf hinwies, dass das Studium eben kein Pappenstiel ist.
Die himmelschreiende Arroganz, die hinter so einem Satz steckt wurde mir erst später bewusst. Die Ruhr-Universität Bochum hatte als eine der ersten Unis in Deutschland auf den Bologna-Prozess von 1999 reagiert und bereits 2002 das Bachelor/Master Modell eingeführt. Die einzelnen Fakultäten hatten demzufolge nicht viel Zeit ihren Studienplan umzustellen. Einigen gelang die Umsetzung gut und anderen eben nicht so gut und manche Fakultäten beließen alles beim Alten und benannten ihre Seminare einfach nur um. Und um der Vielzahl der Studenten, die dank des neuen Modells die Hörsäle bevölkerten, Herr zu werden, dachte sich die Fakultät für Mathematik wohl, es sei das Beste, den natürlichen Selektionsdruck der ersten zwei Semester noch zu erhöhen. Danke nochmal vielmals.
Ich hielt mich nicht an den “gutgemeinten Ratschlag” des Herrn Professor und startete zeitgleich das ebenfalls zeitintensive Studium der Geschichte und es kam wie es kommen musste. Ich fiel duch. Ich durchlief also den vorhergesehenen Studienplan ganze zwei Mal bis mich schließlich die Erkenntnis traf, dass ich nicht mehr ich war und hier nur noch Zahlen und Punkte zählten. Man könnte sagen, Mathematik eben.
Nach 4 Semstern gab ich auf und wechselte das Studienfach und zähle heute zu denen, die an Mathe gescheitert worden sind. Ich weiß, dass dieser Satz auch heute noch den motivierten Erstsemstern mitgeteilt. In Zeiten von Studiengebühren eine unhaltbare Aussage.

10
Jul
09

Begleitumstände

Ich habe einen Freund, einen Partner, einen Lebensabschnittsgefährten, einen Menschen bei dem nach verständiger Würdigung der gegenseitige Wille anzunehmen ist, füreinander Verantwortung zu tragen und füreinander einzustehen.

Ja, ich bekenne mich. Ich liebe einen Hartz IV-Empfänger.

Nicht nur, dass das der Familie mal so gar nicht gepasst hat, dass die Tochter mit einem dieser Individuen ihre Zukunft verbringen möchte, nein auch der Gesetzgeber macht das Zusammenleben nicht gerade einfach.

Seit vier Jahren sind wir ein Paar und seit mehr als zwei Jahren leben wir zusammen. Seit ca. der Hälfte der Zeit bezieht er Hartz IV, Leistungen nach dem SGB II und was ihm dabei zur Last gelegt wird bin ich.

Ich lebe vom Unterhalt meines Vaters, einem Studienkredit der kfw-Bank und dem bescheidenen Einkommen, was ich mir im Call-Center dazu verdiene. Mein Einkommen übersteigt damit, die vom Gesetzgeber festgelegte Grenze und daher stehe ich in der Verantwortung meinen Freund zu unterstützen. Im Umkehrschluss habe ich demzufolge noch weniger Geld, da ich meinen Freund ja mit meinem wenigen Einkommen unterstütze. Ausgaben wie Miete, Nebenkosten, Studiengebühren, Sozialbeitrag u.ä. sind dabei gar nicht berücksichtigt. Im Mietvertag steht er nämlich nicht drin, da die Chance auf eine gute Wohnung für Hartz IV Empfänger gleich null ist. Für mich bleibt also so gut wie gar nichts übrig – außer einem Berg von Schulden.

Mittlerweile hat es mein Freund nach langen Querelen geschafft eine Stufenqualifizierung von der ARGE finanziert zu bekommen. Sein Einkommen steigt dadurch nicht, es bleibt bis zum Ende der Maßnahme beim Regelsatz minus dem Anteil, den ich ihm gegenüber zu verantworten habe. Das Problem bleibt.

Möglichkeit A, dieses Problem aus der Welt zu schaffen, ist meinen Freund, meinen Gefährten, meinen Geliebten, meinen Fels in der Brandung aus der Wohnung zu werfen. Das gemeinsame Leben getrennt zu verbringen und abends wieder alleine unter die kalte Decke zu kriechen.

Möglichkeit B ist, noch häufiger arbeiten zu gehen, damit bei einem Stundenlohn von 7€ auch eine Summe zusammenkommt mit der man nicht nur überleben kann.

Möglichkeit C, das Studium so schnell wie möglich zu beenden, damit endlich “ordentliches” Geld verdient wird, bedeutet für meinen Freund, dass er noch weniger Geld bis gar nichts bekommt, solange die eheähnliche Gemeinschaft fort besteht.

Und genau hier beißt sich die Katze wieder in den Schwanz. Denn die finanziellen Probleme wirken sich auf den psychischen Druck aus und sind daher auch Ursache der Schreibblockade und solange die besteht, bestehen auch die finanziellen Probleme.

03
Jul
09

Bekenntnisse

Ja, ich bekenne mich.

Ja, ich bin Studentin an einer Hochschule inNRW.

Ja, ich studiere Geisteswissenschaften im gestuften Studienmodell mit 6 Semstern Regelstudienzeit für den Bachelor.

Ja, ich bin im 12. Hochschulsemester.

Und nein, ich habe trotzdem noch keinen ersten Studienabschluss.

Ich bekenne mich.

Ich bin eine von vielen Langzeitstudenten, denen die Organisation des Studiums irgendwann über den Kopf gewachsen ist. Ich möchte mich nicht beschweren oder selbst bemitleiden. Ich will mich nicht entschuldigen oder dafür rechtfertigen. Ich will auch niemand anderen dafür verantwortlich machen.

Ich möchte wissen, warum es bei mir so gelaufen ist, obwohl ich das nie so gewollt habe. Ich möchte zeigen, dass auch junge, engagierte Menschen Fehler machen und das Leben oft nicht so läuft, wie es geplant ist. Ich möchte das Stigma der Faulheit widerlegen und erzählen, wie mein Leben war, ist und vielleicht sein wird. Und ich möchte das Problem öffentlich machen und anderen jungen Studenten eine Hilfestellung bieten.

Ich möchte für mich ganz persönlich einen Weg finden, damit umzugehen, denn ich habe den Weg nicht verlassen, sondern nur eine andere Abzweigung genommen.